Süßer die Kassen, die klingeln!?

Weihnachten, das Fest der Freude und Besinnung. Gläubige Christen feiern die Geburt des Heilandes, des Erlösers. Die Juden hofften auf die Erlösung von der Unterdrückung durch die Römer, doch Jesus sollte dem später widersprechen und sagen, sein Reich sei nicht von dieser Welt. Die Christen sagen heute, Jesus habe uns von den Sünden befreit, unsere Schuld getilgt.

Jesu Geburt ist das Geschenk Gottes an die Menschheit, der seinen Sohn zur Erde schickt, ihn Höllenqualen erleiden lässt, damit er mit 33 Jahren am Kreuz eines leidvollen Todes sterben muss, um uns Menschen von unserer Schuld zu befreien. Wir feiern demnach mit Weihnachten den Beginn unserer Befreiung von unserer Schuld. Für dieses Geschenk sollten wir Dankbarkeit zeigen, uns besinnen, ob wir nicht im Laufe des Jahres neue Schuld auf uns geladen haben. Sollten wir das feststellen müssen, wäre es an der Zeit, die neue Schuld alleinverantwortlich zu tilgen.

Die Zeit der Besinnung beginnt mit dem 1. Advent. Die Jahreszeit lädt dazu ein: Das Laub der Bäume liegt am Boden, die Felder brach, die Natur kommt zur Ruhe. Wir sollten uns der Natur anschließen und ebenfalls zur Ruhe kommen.

Doch Hinweise auf den Advent gibt es bereits Anfang September. Frisch aus den Sommerferien von Mallorca, der Nordseeküste oder den Kanaren zurück, geht man mit schön gebräunter Haut, Sommerkleid und FlipFlops in den Supermarkt und was wartet dort auf uns? Richtig! – Lebkuchen und Schoko-Nikoläuse. Zwei Welten treffen aufeinander. Ist man gedanklich noch am Strand, überfallen uns die Firmen schon mit winterlichen Genüssen. Das muss erst einmal verkraftet werden. Die Verwirrung nimmt noch einmal zu, wenn man nach dem Einkauf die Natur beobachtet und erkennt,  dass die Äpfel noch an den Bäumen hängen und die Weintrauben noch geerntet werden wollen, doch die Christstollen schon die Weihnachtszeit einläuten. So wird die Zeit der Besinnung von ursprünglich vier Wochen auf drei Monate ausgedehnt.

Die letzten Jahre frage ich mich, warum so früh? Was soll das?? Meinen die Hersteller es gut mit uns und wollen, dass wir schon früh mit den Besorgungen beginnen, damit die „richtige“ Weihnachtszeit nicht so stressig wird? Ich denke nicht! Ist es nicht viel eher so, dass die Geschäfte darauf spekulieren, dass sich die weihnachtliche Vorfreude der Konsumenten künstlich verlängern lässt und somit mehr Geld in die Kassen gespült wird? Ihr Konzept scheint aufzugehen, denn in den letzten Jahren beobachtete ich eine immer frühere Wiederkehr der Leckereien und Accessoires. Vielleicht sollte man sie erst gar nicht mehr wegräumen – genauso  wie den Osterhasen. Weihnachtsmann und Osterhase verstehen sich sicherlich blendend in den Regalen – also warum der Stress mit dem Einräumen und Wegräumen?

Die Menschen freuen sich auf Weihnachten. Auch wenn die meisten den unpassenden Zeitpunkt erkennen und sich auch oft darüber aufregen, werden sie doch an Weihnachten erinnert und damit Hoffnungen auf Harmonie geweckt. Dadurch wird die Konsumfreude angeregt und der Umsatz gesteigert. Schade, etwas mehr an Besinnung, auch über den Advent hinaus, hätte uns nicht geschadet.

Was gibt es schöneres als Harmonie zum Fest der Liebe? Doch kostet die Realisierung derselben viel Kraft und Zeit. Denken wir nur mal an die fleißige Hausfrau, Mutter und Ehefrau, die sich die meiste Zeit der Weihnachtsfeiertage in der Küche aufhält, um ihren Lieben ein festliches Mahl zu kredenzen.

Der Blutdruck steigt ebenfalls bei den last-minute-Käufern, die bei zahlreichen Radiointerviews an Heilig Abend gefragt werden, warum sie sich erst jetzt in das Weihnachtsgetümmel stürzen. Dadurch wird der Heilige Abend auch für die zahlreichen Angestellten der Supermärkte oder Kaufhäuser stressig, die groß dafür werben, dass sie am 24. Dezember bis 16 Uhr geöffnet haben. Die Verkäufer kommen so erst gegen 18 Uhr nach Hause und müssen sich dann noch um das Essen und gegebenenfalls um den Baumschmuck kümmern. Beide quält die Frage: ,,Habe ich für jeden ein Geschenk? Ist es auch das richtige?“. Eine Antwort gibt es erst nach dem Auspacken, und man weiß nicht, ob die Antwort  nur eine höfliche Notlüge ist. Also was tun, dem Dilemma zu entfliehen? Auf der einen Seite die Absicht Freude zu schenken, auf der anderen Seite der Zweifel, ob das auch wirklich gelingt. Ist es nicht ein Widerspruch, sich für Harmonie abrackern zu müssen? So wird die Vorweihnachtszeit nicht nur nach vorn verlagert, sondern auch bis zur letzten Minute ausgereizt. Ein Hinweis darauf, dass es nicht um innere Einkehr geht.

Je näher Weihnachten rückt, umso ausgeprägter müsste die Besinnlichkeit werden, wir kehren ganz in uns, bilanzieren das vergangene Jahr und bereiten uns auf das kommende mit guten Vorsätzen vor. Ein schöner Gedanke, nur hat er nichts mit unserer Wirklichkeit gemein.

Mein Vorschlag wäre, sich einfach etwas Zeit zu schenken.