Populismus oder: die Sache mit der Meinungsmache

Populismus, ein schönes Wort.

Was ist Populismus?

Der Duden definiert Populismus als eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Masse (…) zu gewinnen“. Also ein lautes Beschweren über die Regierung und ihre Politik mit dem Ziel die Aufmerksamkeit der breiten Menge zu erreichen.

Eine Strategie, die heute überall in der Welt genutzt wird. Seien es die rechtspopulistischen Aussagen der AfD-Politiker zur Flüchtlingsfrage oder ein Bernie Sanders, der sich gegen die Millionäre des Landes äußert, um die amerikanische Mittelschicht als Unterstützung im Wahlkampf zu gewinnen.

Populismus war, ist und wird auch immer präsent in der Politik sein. Es ist nun mal immer noch leichter Worte zu unterstützten, anstatt sie selbst auszusprechen.

„Endlich sagt es mal einer!“

Ein Satz, den man häufig hört. Ja, endlich spricht einer das aus, was alle denken! Ist es nicht so? Nein, nicht ganz richtig. Es ist eher so: endlich spricht einer etwas an und man nickt bekräftigend, weil man nicht weiß, was man sonst tun soll.

Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass die meisten, die bestätigend nicken, wirklich eine Ahnung davon haben, was genau der Mensch da vorne meint und was alles mit dem Thema zu tun hat, das angesprochen oder eher angeprangert wird.

Es ist laut, viele glauben es, also muss es gut sein.

Dieser Gedankengang findet meist unterbewusst statt. Viele würden jetzt widersprechen und versichern, dass sie sich eingehend mit der Politik und dem Thema auseinandergesetzt haben bevor sie zustimmen. Doch sind wir mal ehrlich: wer hat schon Zeit und Lust sich so weit in etwas reinzuarbeiten, bis er sich selbst als Experte bezeichnen kann, der alle Standpunkte betrachtet und sich schlussendlich festgelegt hat?

Es ist nicht schlimm, nicht alles zu wissen, trotzdem sollte man vorsichtig sein, bevor man sich einer Seite anschließt und versucht den „anderen“ durch schlagfertige Argumente den Wind aus den Segeln zu nehmen. Eine Sache, die – genauso wie der Populismus – weit verbreitet ist.

„Wir und die Anderen!“

Es gibt nichts dazwischen. Keine geteilte Meinung, sondern nur zwei Fronten, die sich auf äußerste verbal und manchmal auch physisch bekämpfen, um ihre eigene Meinung durchzusetzen. Eine Art Zweifrontenkrieg, der in dieser Form nicht nötig ist.

Wir haben verlernt zu diskutieren, uns mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und uns so den eigenen Standpunkt festzulegen.

Meinungen werden gemacht und nicht erschlossen. So geht das schon seit Jahren und trotz, dass der Begriff Meinungsmache existiert und nur allzu gerne benutzt wird, ändert sich nichts.

Über fremde Standpunkte wird die Nase gerümpft, bevor man sie als gefährlich und schlecht bezeichnet, anstatt sie wahrzunehmen und zu reflektieren.

Man muss sie nicht gleich vertreten, doch eine gewisse Toleranz kam man erwarten, egal wie stark das gegen die eigenen Prinzipien verstößt. Jede Meinung ist irgendwie nachvollziehbar, auch wenn sie einem vielleicht nicht gefällt.

Und genau aus diesem Grund sollten wir auch genau den Leuten zuhören, die einen anderen Kurs fahren.

Also warum tun wir es dann nicht? Warum ist diese eine Partei in der Alfred-Delp-Schule egal in welcher Form nicht willkommen?

Die AfD wird kontrovers diskutiert, dennoch ist sie wichtig für die deutsche Parteienlandschaft und somit auch für die zukünftige Politik der Deutschen Bundesrepublik, ob es einem gefallen mag oder nicht.

Trotzdem ist die Abneigung gegen die AfD in der ADS deutlich spürbar: Die Schule soll nicht mit der Partei in einem Satz stehen, auf der Podiumsdiskussion sind die etablierten Parteien anwesend und die AfD, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Die einzig greifbaren Argumente gegen die AfD an der Schule wären zum einen die „Schule ohne Rassismus“ als wichtiges Element im Alltag an der Dieburger Schule und zum anderen, dass man die Schüler vor dieser populistischen Meinungsmache schützen müsse.

Das erste ist verständlich. Die AfD ist nun mal rechtspopulistisch. Politiker der Partei äußern sich auf Sozialen Medien feindlich gegenüber Minderheiten. Als antirassistische Schule muss man sich davon distanzieren.

Doch beim zweiten Argument stellt sich die Frage, ob diese Maßnahme wirklich so gut ist, wenn man bedenkt, dass man mit der Missbilligung einer solchen Partei ebenfalls Einfluss auf die politische Meinungsbildung der Schüler nimmt. Egal wie gut man es auch meinen mag, die Schüler sollen doch selbst einen politischen Standpunkt finden. Zumindest arbeitete man doch bisher darauf hin. Schüler sollen die eigenen Meinungen, durch das abwägen der Pro und Contra-Argumente, erschließen lernen, ein Weg, den man tagtäglich in Form von Erörterung – mehr oder weniger – ordentlich auf leeren Blättern notiert.

Und genau dieses Erörtern geht doch nur, wenn man alle Seiten kennenlernt und genug Informationen hat, um sich auf die für einen persönlich richtige Seite festzulegen.

Ist es also letztendlich nicht wichtiger, dass junge Menschen in Kontakt mit Populismus geraten, um ihn zu erkennen?

Schlussendlich ist wohl zu fragen, was wichtiger ist: die Schüler vor „falschem“ Gedankengut von vorneherein zu schützen oder ihnen zu zeigen, wie sie sich schützen können?