Hygiene ist was Anderes

Wir schreiben den 1. Dezember 2016, es ist kalt und immer noch dunkel, als die ersten Schüler der Alfred-Delp-Schule das Atrium betreten. Der Weg führt primär in die Richtung der Vertretungspläne, um zu überprüfen, ob man sich an diesem Morgen nicht grundlos aus dem warmen Bett gekämpft hat.

Der zweite Blick gilt dann meist der Ansammlung an roten Sofas unweit der Spinde. Doch an diesem Morgen stimmt etwas nicht an dem Bild. Das geordnete Chaos an Stühlen, Tischen und Polstermöbeln, das sonst immer um diese Uhrzeit – ca. 20 Minuten vor Unterrichtsbeginn – herrscht, existiert nicht. Auch den sonst recht sauberen Boden zieren Dinge, die üblicherweise am vorherigen Tag hätten verschwinden sollen, wenn der Ordnungsdienst gewissenhaft seinen Job erledigt hätte. Was er augenscheinlich nicht getan hat, es sei denn, jemand hatte es in der vorigen Nacht für eine großartige Idee gehalten, in die Schule einzubrechen und das Atrium mit Brottüten, Essensresten und leeren Plastikverpackungen zu dekorieren. Es ist schließlich Dezember, da kann ein bisschen Schmuck nicht schaden, egal wie ausgefallen er sein mag.

20161215_084303

Spaß beiseite. Die Alfred-Delp-Schule wirbt regelmäßig für die Mülltrennung und das gewissenhafte Verhalten gegenüber der Umwelt. Jede Müllsorte hat eine eigene Farbe und alle Tutorien müssen durch den sogenannten Ordnungsdienst einen Beitrag an der Sauberkeit der Schule leisten. Eine Regel, die ihre Daseinsberechtigung hat, egal wie unwillig der Schüler sich ihr unterordnet und die verlangte Arbeit mehr oder weniger motiviert erledigt. Es ist durchaus nichts Reizvolles daran, alte Salamischeiben und Bananenschalen vom Boden aufzulesen, anstatt nachhause zu fahren. Also kann man durchaus das Chaos an diesem Tag der mangelhaften Arbeit des eingeteilten Ordnungsdienstes zuschreiben, dennoch darf man nicht vergessen, wer diesen Müll überhaupt zu verantworten hat! Nur weil es jemanden gibt, der den Müll am Ende des Schultages wegräumt, heißt das nicht, dass man sich wie ein wildes Tier verhalten muss, das ohne Rücksicht auf Verluste seinen Instinkten nachgeht und die Umwelt dermaßen verwüstet hinterlässt.

Es ist wirklich nicht unüblich, wenn etwas von dem Pausenbrot unbemerkt zu Boden fällt, sodass man ein bisschen Müll zurücklässt, wenn man sich zum Unterricht aufmacht, dennoch kann es nicht möglich sein, dass das Atrium einer Oberstufe, in die üblicherweise nur Leute gelangen, die den korrekten Gebrauch einer Mülltonne kennen, so dermaßen unhygienisch ist. Süßigkeitsverpackungen, angebissene Brote, zusammengeknüllte Tüten und Schalenreste, alles Dinge, die im eigenen Haushalt sofort in der Tonne verschwinden, sobald sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Wieso also nicht in der Schule?

Im unmittelbaren Umkreis der Sofalandschaft gibt es mindestens 6 – wenn nicht sogar mehr – Mülleimer, die gefahrlos benutzt werden können, wenn man sich die Mühe macht und sich von seinem Platz erhebt. Wem das zu anstrengend ist, der hat die Möglichkeit den Müll bis zur Ende der Pause aufzuheben und ihn anschließend in einen der Mülleimer, die in ausnahmslos jedem Klassenraum vorhanden sind, zu verstauen. Warum es einigen trotz alledem so schwer fällt, diese Möglichkeiten der Müllentsorgung in Betracht zu ziehen und stattdessen ihre unbrauchbaren Überreste des Pausenbrotes einfach auf den Boden fallen lassen, ist und bleibt wohl ein Rätsel.