Fragen an eine Mathelehrerin

Mathe-Unterricht, allseits gefürchtet und dennoch von vielen geliebt. In Deutschland steht Mathematik auf Platz zwei der Lieblingsfächer, doch viele würden eher das Gegenteil behauptet. Warum eigentlich? Warum stehen die Meinungen zu dem Fach eigentlich so im Zwiespalt? Und steckt mehr hinter dem Jonglieren mit Zahlen, Grafiken und Buchstaben?

Wir haben uns – passend zum Start der Sommerferien 2017 – mit Frau Biebel, einer Mathematik-Lehrerin der Alfred-Delp-Schule, getroffen, um Antworten für diese Fragen zu finden.

Doch zum Anfang sei gesagt: im Mathematik-Unterricht lernt man mehr als nur Formeln, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag.

 

Jenny Treibel – Eine Lektüre aus der Sicht eines Schülers

 

Jenny Treibel, ein Roman, der ungefähr zur Zeit Bismarcks spielt, anno 1890. Geschrieben von Theodor Fontane, einem deutschen Schriftsteller des Realismus, und mit circa 210 Seiten eine der längeren Lektüren des Deutschunterrichts.

Alleine diese Länge ist mehr als demotivierend für den allgemeinen Schüler der Q2, aber was sein muss, muss nun mal sein und „Humoristisch, satirisch, gesellschaftskritisch“ klingt doch für den Anfang gar nicht mal so schlecht, oder?

Diese kleine Hoffnung und das winzige bisschen Interesse mögen aber auch leicht enttäuscht werden. Während die letzten Lektüren (überwiegend von den leicht geistesgestörten Autoren der Romantik), hauptsächlich ihre Hauptcharaktere mit möglichst naturnahen Ausschweifungen und Metaphern immer mehr in Wahnsinn, Dunkelheit und den Tod treiben, glänzt Fontane mit seiner an Langeweile angrenzenden Banalität des Lebens der Bourgeoise.

Es gleicht einem Schock, wenn man, nach Monaten des Metaphern-Entschlüsselns, ein Buch vorgelegt bekommt, das man als ein überaus detailgetreues Drehbuch einer besonders langweiligen Staffel einer Dailysoap á la „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ beschreiben kann. Er liebt sie, sie nutzt ihn aus. Ein anderer Typ liebt sie ebenfalls, sie ist aber am Geld des ersten Kerls interessiert. Die Mutter vom ersten der beiden Verehrer mag die Angebetete des Sohnes nicht, weil sie sie für hinterhältig und geldgierig hält, aber selbst ist die gute, alte Frau auch nicht unbedingt besser mit ihrem Interesse an materialistischen Dingen und ihrem Status.

Zusammengefasst: Die Lektüre ist genauso ermüdend wie ihre Vorgänger, die man gezwungenermaßen im Zuge des Unterrichts lesen muss. Der Unterschied bei Jenny Treibel ist nur, dass man nicht das Gefühl bekommt, ein wichtiges Detail in der Flut aus Text zu verpassen, wenn man mal 5 Seiten überspringt.

Alles im allen ist es kein Wunder, dass nur mit einigen Kniffen die vollen 210 Seiten durchgehalten werden können. Sei es ein Wecker, der alle fünf Minuten klingelt, um das immer wieder neu aufkommende Delirium beim Lesen zu vertreiben oder das übertriebene, bildliche Vorstellen, während man sich durch den Text und die seitenlange Monologe der Charaktere quält, in denen sich ausschweifend über Krabben und andere Meeresfrüchte ausgelassen wird. (Ich scherze nicht bei diesem Beispiel. Leider.) Die zweite Variante ist vergleichbar mit dem Schauen einer Dailysoap, nur kopflastiger (wenn man es so formulieren will).

Im Endeffekt lässt sich also sagen, dass tatsächlich viel Humor beim Lesen erfordert wird, da liegt der Klappentext keineswegs falsch. Jedoch stellt sich hierbei nur die Frage, woher diese große Aufbietung an Humor kommt. Ist es vom Buch selbst? Oder ein Lektüreschlüssel, welcher Fontanes raffinierten Witz im Nachhinein und im modernen Deutsch erklärt? Oder ist es im Endeffekt, der an Verzweiflung grenzende Galgenhumor, den sich der Schüler aufzwingt, um die Lektüre irgendwie durchzuhalten?

Das muss wohl jeder selbst herausfinden und vielleicht ist alles auch gar nicht mehr so schlimm, wenn man sich vor Augen hält, dass man jedes Wort in dem Buch nur mindestens einmal gelesen haben muss, um auf das Deutschabitur vorbereitet zu sein.

Populismus oder: die Sache mit der Meinungsmache

Populismus, ein schönes Wort.

Was ist Populismus?

Der Duden definiert Populismus als eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Masse (…) zu gewinnen“. Also ein lautes Beschweren über die Regierung und ihre Politik mit dem Ziel die Aufmerksamkeit der breiten Menge zu erreichen.

Eine Strategie, die heute überall in der Welt genutzt wird. Seien es die rechtspopulistischen Aussagen der AfD-Politiker zur Flüchtlingsfrage oder ein Bernie Sanders, der sich gegen die Millionäre des Landes äußert, um die amerikanische Mittelschicht als Unterstützung im Wahlkampf zu gewinnen.

Populismus war, ist und wird auch immer präsent in der Politik sein. Es ist nun mal immer noch leichter Worte zu unterstützten, anstatt sie selbst auszusprechen.

„Endlich sagt es mal einer!“

Ein Satz, den man häufig hört. Ja, endlich spricht einer das aus, was alle denken! Ist es nicht so? Nein, nicht ganz richtig. Es ist eher so: endlich spricht einer etwas an und man nickt bekräftigend, weil man nicht weiß, was man sonst tun soll.

Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass die meisten, die bestätigend nicken, wirklich eine Ahnung davon haben, was genau der Mensch da vorne meint und was alles mit dem Thema zu tun hat, das angesprochen oder eher angeprangert wird.

Es ist laut, viele glauben es, also muss es gut sein.

Dieser Gedankengang findet meist unterbewusst statt. Viele würden jetzt widersprechen und versichern, dass sie sich eingehend mit der Politik und dem Thema auseinandergesetzt haben bevor sie zustimmen. Doch sind wir mal ehrlich: wer hat schon Zeit und Lust sich so weit in etwas reinzuarbeiten, bis er sich selbst als Experte bezeichnen kann, der alle Standpunkte betrachtet und sich schlussendlich festgelegt hat?

Es ist nicht schlimm, nicht alles zu wissen, trotzdem sollte man vorsichtig sein, bevor man sich einer Seite anschließt und versucht den „anderen“ durch schlagfertige Argumente den Wind aus den Segeln zu nehmen. Eine Sache, die – genauso wie der Populismus – weit verbreitet ist.

„Wir und die Anderen!“

Es gibt nichts dazwischen. Keine geteilte Meinung, sondern nur zwei Fronten, die sich auf äußerste verbal und manchmal auch physisch bekämpfen, um ihre eigene Meinung durchzusetzen. Eine Art Zweifrontenkrieg, der in dieser Form nicht nötig ist.

Wir haben verlernt zu diskutieren, uns mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und uns so den eigenen Standpunkt festzulegen.

Meinungen werden gemacht und nicht erschlossen. So geht das schon seit Jahren und trotz, dass der Begriff Meinungsmache existiert und nur allzu gerne benutzt wird, ändert sich nichts.

Über fremde Standpunkte wird die Nase gerümpft, bevor man sie als gefährlich und schlecht bezeichnet, anstatt sie wahrzunehmen und zu reflektieren.

Man muss sie nicht gleich vertreten, doch eine gewisse Toleranz kam man erwarten, egal wie stark das gegen die eigenen Prinzipien verstößt. Jede Meinung ist irgendwie nachvollziehbar, auch wenn sie einem vielleicht nicht gefällt.

Und genau aus diesem Grund sollten wir auch genau den Leuten zuhören, die einen anderen Kurs fahren.

Also warum tun wir es dann nicht? Warum ist diese eine Partei in der Alfred-Delp-Schule egal in welcher Form nicht willkommen?

Die AfD wird kontrovers diskutiert, dennoch ist sie wichtig für die deutsche Parteienlandschaft und somit auch für die zukünftige Politik der Deutschen Bundesrepublik, ob es einem gefallen mag oder nicht.

Trotzdem ist die Abneigung gegen die AfD in der ADS deutlich spürbar: Die Schule soll nicht mit der Partei in einem Satz stehen, auf der Podiumsdiskussion sind die etablierten Parteien anwesend und die AfD, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Die einzig greifbaren Argumente gegen die AfD an der Schule wären zum einen die „Schule ohne Rassismus“ als wichtiges Element im Alltag an der Dieburger Schule und zum anderen, dass man die Schüler vor dieser populistischen Meinungsmache schützen müsse.

Das erste ist verständlich. Die AfD ist nun mal rechtspopulistisch. Politiker der Partei äußern sich auf Sozialen Medien feindlich gegenüber Minderheiten. Als antirassistische Schule muss man sich davon distanzieren.

Doch beim zweiten Argument stellt sich die Frage, ob diese Maßnahme wirklich so gut ist, wenn man bedenkt, dass man mit der Missbilligung einer solchen Partei ebenfalls Einfluss auf die politische Meinungsbildung der Schüler nimmt. Egal wie gut man es auch meinen mag, die Schüler sollen doch selbst einen politischen Standpunkt finden. Zumindest arbeitete man doch bisher darauf hin. Schüler sollen die eigenen Meinungen, durch das abwägen der Pro und Contra-Argumente, erschließen lernen, ein Weg, den man tagtäglich in Form von Erörterung – mehr oder weniger – ordentlich auf leeren Blättern notiert.

Und genau dieses Erörtern geht doch nur, wenn man alle Seiten kennenlernt und genug Informationen hat, um sich auf die für einen persönlich richtige Seite festzulegen.

Ist es also letztendlich nicht wichtiger, dass junge Menschen in Kontakt mit Populismus geraten, um ihn zu erkennen?

Schlussendlich ist wohl zu fragen, was wichtiger ist: die Schüler vor „falschem“ Gedankengut von vorneherein zu schützen oder ihnen zu zeigen, wie sie sich schützen können?

Hygiene ist was Anderes

Wir schreiben den 1. Dezember 2016, es ist kalt und immer noch dunkel, als die ersten Schüler der Alfred-Delp-Schule das Atrium betreten. Der Weg führt primär in die Richtung der Vertretungspläne, um zu überprüfen, ob man sich an diesem Morgen nicht grundlos aus dem warmen Bett gekämpft hat.

Der zweite Blick gilt dann meist der Ansammlung an roten Sofas unweit der Spinde. Doch an diesem Morgen stimmt etwas nicht an dem Bild. Das geordnete Chaos an Stühlen, Tischen und Polstermöbeln, das sonst immer um diese Uhrzeit – ca. 20 Minuten vor Unterrichtsbeginn – herrscht, existiert nicht. Auch den sonst recht sauberen Boden zieren Dinge, die üblicherweise am vorherigen Tag hätten verschwinden sollen, wenn der Ordnungsdienst gewissenhaft seinen Job erledigt hätte. Was er augenscheinlich nicht getan hat, es sei denn, jemand hatte es in der vorigen Nacht für eine großartige Idee gehalten, in die Schule einzubrechen und das Atrium mit Brottüten, Essensresten und leeren Plastikverpackungen zu dekorieren. Es ist schließlich Dezember, da kann ein bisschen Schmuck nicht schaden, egal wie ausgefallen er sein mag.

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Spaß beiseite. Die Alfred-Delp-Schule wirbt regelmäßig für die Mülltrennung und das gewissenhafte Verhalten gegenüber der Umwelt. Jede Müllsorte hat eine eigene Farbe und alle Tutorien müssen durch den sogenannten Ordnungsdienst einen Beitrag an der Sauberkeit der Schule leisten. Eine Regel, die ihre Daseinsberechtigung hat, egal wie unwillig der Schüler sich ihr unterordnet und die verlangte Arbeit mehr oder weniger motiviert erledigt. Es ist durchaus nichts Reizvolles daran, alte Salamischeiben und Bananenschalen vom Boden aufzulesen, anstatt nachhause zu fahren. Also kann man durchaus das Chaos an diesem Tag der mangelhaften Arbeit des eingeteilten Ordnungsdienstes zuschreiben, dennoch darf man nicht vergessen, wer diesen Müll überhaupt zu verantworten hat! Nur weil es jemanden gibt, der den Müll am Ende des Schultages wegräumt, heißt das nicht, dass man sich wie ein wildes Tier verhalten muss, das ohne Rücksicht auf Verluste seinen Instinkten nachgeht und die Umwelt dermaßen verwüstet hinterlässt.

Es ist wirklich nicht unüblich, wenn etwas von dem Pausenbrot unbemerkt zu Boden fällt, sodass man ein bisschen Müll zurücklässt, wenn man sich zum Unterricht aufmacht, dennoch kann es nicht möglich sein, dass das Atrium einer Oberstufe, in die üblicherweise nur Leute gelangen, die den korrekten Gebrauch einer Mülltonne kennen, so dermaßen unhygienisch ist. Süßigkeitsverpackungen, angebissene Brote, zusammengeknüllte Tüten und Schalenreste, alles Dinge, die im eigenen Haushalt sofort in der Tonne verschwinden, sobald sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Wieso also nicht in der Schule?

Im unmittelbaren Umkreis der Sofalandschaft gibt es mindestens 6 – wenn nicht sogar mehr – Mülleimer, die gefahrlos benutzt werden können, wenn man sich die Mühe macht und sich von seinem Platz erhebt. Wem das zu anstrengend ist, der hat die Möglichkeit den Müll bis zur Ende der Pause aufzuheben und ihn anschließend in einen der Mülleimer, die in ausnahmslos jedem Klassenraum vorhanden sind, zu verstauen. Warum es einigen trotz alledem so schwer fällt, diese Möglichkeiten der Müllentsorgung in Betracht zu ziehen und stattdessen ihre unbrauchbaren Überreste des Pausenbrotes einfach auf den Boden fallen lassen, ist und bleibt wohl ein Rätsel.

 

Was genau ist eigentlich eine Schülerzeitung?

Und plötzlich ist sie da, eine Zeitung für Schüler von Schülern an der Alfred-Delp-Schule!

Doch, was bringt sie? Seriöse Berichte über Politik und Wirtschaft? Sportartikel? Reporte über Lehrer? Unsinniges oder weniger Unsinniges, das sich mit und ohne Filter aus den Köpfen von Schülern auf ein Blatt (beziehungsweise ein Worddokument) ergießt?

Man kann es nicht sagen, man kann es nicht sagen. Vielleicht ein bisschen von allem, vielleicht aber auch etwas ganz Anderes. Alles im Allem wird es um die Schule und die Interessen derer gehen, die sich fast jeden Morgen frühestens um 15 Minuten vor 8 Uhr in den Unterricht der Alfred-Delp-Schule quälen. So viel ist schon mal sicher.

Doch, was genau ist eigentlich so eine Schülerzeitung im Allgemeinen?

Eine Schülerzeitung ist eine Zeitschrift, die Schüler für Schüler machen. (…) In der Schülerzeitung können Schüler im Sinne des Grundgesetzes ihre Meinung frei äußern.

(Quelle: wikipedia.org/wiki/Schülerzeitung; 01.11.2016, 20.35 Uhr)

Also nur eine Plattform, um die eigene Meinung frei äußern zu können?

Eine recht schwache Funktion einer Zeitung, wenn man bedenkt, dass jeder, laut Grundgesetz, seine Meinung frei und offen äußern könnte… Sei es in einem offenen Brief, einem YouTube-Video oder bei einer Rede in der Fußgängerzone der nächsten Großstadt (oder in unserem Fall eher im Atrium der Schule). Aber dieses ‚könnte’ ist gerade das größte Problem. Nicht jeder will den Aufwand betreiben seine Meinung – einem Marktschreier gleich – öffentlich zu präsentieren, mit der Gefahr in eine unangenehme direkte Diskussion mit einer Person, die einen anderen Standpunkt vertritt, zu geraten.

„Nein, unnötiger Stress im ohnehin schon überfüllten Alltag“, denkt sich da wohl so mancher.

Trotzdem ist und bleibt es wichtig, einen Standpunkt zu vertreten und diesen auch mal öffentlich zu äußern. Was ist da nicht schöner, als ein Medium, das es einem erlaubt, sich – ohne den anschließenden Verlust der Sprechfähigkeit – über ein Thema auszulassen? Gepriesen sei das Internet und seine Möglichkeiten, wie die Erstellung einer digitalen Schülerzeitung, in der jeder Schüler (vielleicht auch Lehrer?) der Alfred-Delp-Schule Dieburg, der das Bedürfnis verspürt, seine Ansichten und kreativen Ideen in Textform publik zu machen, dies auch tun kann!

Zusammengefasst in einen Satz, weil auf den Punkt zu kommen im Schulalltag so wichtig ist: Du, der dies liest und Schüler oder Angestellter der ADS bist, hast von nun an die Möglichkeit, mit Artikeln, Geschichten, Gedichten, Ideen, Rezepten oder Überlebenstipps für den Schulalltag an dieser Schülerzeitung mitzuwirken.